Therapeut führt die Arme einer Patientin bei einer Übung mit dem Therapiestab über den Kopf

Warum tut die Schulter genau in der Mitte der Bewegung weh?

Weil es zwischen 60 und 120 Grad unter dem Schulterdach am engsten wird. Beim seitlichen Heben schiebt sich die obere Sehne der Schulter mit ihrem Schleimbeutel unter diesen Knochenvorsprung. Ist sie gereizt oder führt das Schulterblatt nicht sauber, klemmt es genau dort.

Schulter4 Min. LesezeitSeptember 2026

Der Engpass unter dem Schulterdach

Das Schulterdach, in der Fachsprache Acromion, ist ein Knochenvorsprung des Schulterblatts. Es liegt wie ein Vordach über dem Kopf des Oberarmknochens. Dazwischen bleibt ein schmaler Spalt. Durch ihn läuft die Supraspinatus-Sehne, darüber liegt ein Schleimbeutel, der die Reibung dämpft.

Warum gerade 60 bis 120 Grad?

Hängt der Arm, ist unter dem Dach viel Platz. Heben Sie ihn seitlich an, wandert der große Höcker des Oberarmkopfs samt Sehne unter den Knochen. Zwischen etwa 60 und 120 Grad ist der Spalt am engsten. Ist die Sehne gereizt oder der Schleimbeutel entzündet, wird es dort gedrückt, und es sticht. Oberhalb von 120 Grad ist der Höcker durch, der Druck lässt nach. Deshalb heißt das Muster schmerzhafter Bogen: unten frei, in der Mitte Schmerz, oben wieder besser.

Warum es oft Menschen trifft, die über Kopf arbeiten

Montage, Deckenarbeiten, Regale einräumen: Wer den Arm viele Stunden auf Schulterhöhe oder darüber hält, belastet genau diese Stelle, Wiederholung für Wiederholung. Dazu kommt oft ein Rundrücken. Kippt das Schulterblatt nach vorn, sinkt das Dach tiefer über das Gelenk, und der Spalt wird noch enger. Auch eine schwache Rotatorenmanschette spielt mit, denn sie hält den Oberarmkopf sonst mittig in der Pfanne.

Der schmerzhafte Bogen, Grad für Grad.

Seitliches Heben des rechten Arms, von hinten gesehen.

  1. 0–60°Bis etwa 60 Grad ist unter dem Schulterdach genug Platz — der Arm hebt sich meist frei.
  2. 60–120°Hier wird der Spalt am engsten: Die gereizte Sehne wird gedrückt, der Arm stockt.
  3. 165°Führen Sehnen und Schulterblatt den Oberarmkopf wieder sauber, verliert der Bogen seinen Schmerz.

165°Grad seitliches Heben

Ein Mensch von hinten mit Gradring: Der rechte Arm hebt sich seitlich von 0 auf 165 Grad, der Ellbogen beugt sich dabei; zwischen 60 und 120 Grad liegt der schmerzhafte BogenSchmerzhafter Bogen zwischen 60 und 120 Grad30°60°90°120°150°180°Enger Raum unter dem Schulterdach (angedeutet)Neutral-Null · 0°SchulterdachschmerzhafterBogen · 60–120°

Bis wohin kommt Ihr Arm?

Stellen Sie sich vor einen Spiegel. Heben Sie den gestreckten Arm langsam zur Seite, nur so weit, wie es ohne stechenden Schmerz geht. Waagerecht sind 90 Grad, senkrecht neben dem Ohr 180 Grad. Stellen Sie dann den Regler auf die Höhe, die Sie erreicht haben.

90°

0° Arm hängt90° waagerecht180° senkrecht

Unter 60 Grad: deutlich eingeschränkt

Der Arm kommt nicht bis zur Hälfte. Das ist mehr als ein enger Bogen. Lassen Sie die Schulter untersuchen, nach einem Sturz zuerst ärztlich.

60 bis 120 Grad: Stopp im engen Bereich

Genau dort, wo der Spalt unter dem Dach am engsten ist, ist Schluss. Das passt zum schmerzhaften Bogen und ist ein Fall für Befund und gezielte Physiotherapie.

Über 120 Grad: am Engpass vorbei

Ihr Arm kommt über die Engstelle. Sticht es trotzdem auf halber Höhe, lohnt ein Befund, bevor sich eine Schonhaltung einschleift.

Physiotherapie bei Schulterschmerz

Dieser Selbsttest ersetzt keine Untersuchung. Er zeigt nur, in welchem Bereich Ihre Bewegung endet.

Was hilft: Platz schaffen, Führung trainieren

Der schmerzhafte Bogen spricht meist gut auf Physiotherapie an. Ziel ist nicht, die Schulter zu schonen, bis der Schmerz weg ist, sondern dem Gelenk wieder Platz und Führung zu geben.

Erst messen, dann behandeln

Im Befund wird gemessen, wie weit der Arm kommt und ab welchem Winkel es wehtut. Kraft- und Funktionstests zeigen, ob eher die Rotatorenmanschette oder das Schulterblatt die Ursache ist. Daraus entsteht Ihr Plan.

Mit Händen, Wärme und Training

Krankengymnastik verbessert das Gleiten im Gelenk. Wärme lockert verspannte Nacken- und Schultermuskeln. Den größten Anteil hat gezieltes Training: Die Manschette zentriert den Oberarmkopf, die Muskeln am Schulterblatt richten das Dach auf. Wie das abläuft, lesen Sie unter Physiotherapie.

Im Alltag

Arbeiten Sie so oft wie möglich unterhalb der Schulterhöhe, holen Sie Leiter oder Werkstück näher heran und lassen Sie die Arme in kurzen Pausen locker hängen. Völlige Schonung ist selten richtig: Die Schulter braucht Bewegung im schmerzfreien Bereich.

Wann Sie zuerst ärztlich abklären lassen

Nach einem Sturz, wenn der Arm plötzlich gar nicht mehr hochgeht, bei starkem Nachtschmerz, Fieber oder Taubheit im Arm. Bei Schulterschmerz mit Druck auf der Brust oder Atemnot rufen Sie sofort den Notruf 112.

Ihre Schulter, einmal richtig gemessen.

Im Erstbefund sehen wir, wo Ihr Bogen stockt, und planen die Behandlung danach. Mit ärztlicher Verordnung oder als Selbstzahler.